Wenn du weißt, dass Praxis guttäte, aber ausweichst
Peter Baumann spricht diesen Tag vollständig für dich ein — ruhig, in deinem Tempo, zum Mitgehen statt zum Mitlesen. Die Aufnahme öffnet sich, sobald du kostenlos angemeldet bist.
Begegne innerem Widerstand heute mit Reiki, ohne ihn zu bekämpfen, zu erklären oder wegzuschieben.
Es gibt Tage, an denen du genau weißt, dass die Praxis dir guttäte, und du machst sie trotzdem nicht. Der Reflex ist dann, sich zu ermahnen. Widerstand ist nicht Faulheit. Er ist oft eine Schutzbewegung, die noch nicht verstanden wurde. Frag heute einmal anders: Wovor schützt mich das Ausweichen gerade? Vielleicht vor Stille, vielleicht vor etwas, das in der Stille auftaucht.
Und dann fang trotzdem an, aber klein. Wie ein Kind, das an der Schwelle stehen bleibt, obwohl der Raum warm ist. Man zerrt es nicht hinein, man lässt die Tür offen. Nimm heute zwei Minuten statt zwanzig. Leg eine Hand auf, mehr nicht. Wer den Widerstand bekämpft, macht ihn größer; wer ihn stehen lässt und trotzdem beginnt, geht an ihm vorbei. Und beobachte, wann der Widerstand überhaupt kommt. Bei vielen taucht er nicht vor der Übung auf, sondern beim Gedanken daran, sie morgen wieder zu tun. Das ist ein Unterschied: Nicht das Üben ist zu viel, sondern die Vorstellung von Dauerhaftigkeit. Nimm dir deshalb heute nichts für morgen vor.
Stell dir die heutige Übung vor wie ein Kind, das an der Schwelle stehen bleibt, obwohl der Raum warm ist. Das Bild beweist nichts, es nimmt dem Widerstand nur die Schuld. Ausweichen ist kein Charakterfehler, es ist meist ein Schutz, der einmal sinnvoll war und heute aus Gewohnheit weiterarbeitet. Spüre heute, wo im Körper das Nein sitzt, es hat fast immer einen Ort. Wer ihn kennt, muss ihn nicht bekämpfen.
Halte den Einstieg klein, gerade heute. Ein Platz, der nichts von dir verlangt, und eine Dauer, die dich nicht abschreckt, notfalls drei Minuten. Ein Gassho reicht als Anfang, auch ein widerwilliges. Legen sich die Hände auf, hat die Praxis bereits stattgefunden, ganz gleich wie lange sie dauert. Und wenn du nur an der Schwelle stehst, ist auch das der Tag: wie ein Kind, das an der Schwelle stehen bleibt, obwohl der Raum warm ist.
Beginne mit nur drei Minuten. Sage innerlich: Ich muss heute nichts Großes schaffen. Dann lege die Hände auf den Bauch und bleibe schlicht. Drei Minuten sind bewusst so kurz, dass der Widerstand keinen Angriffspunkt hat. Er lebt von der Vorstellung, es werde anstrengend oder lang. Nimm ihm diese Vorstellung, indem du wirklich nach drei Minuten aufhörst — auch wenn du dann Lust auf mehr hättest.
Beobachte während der Übung, wo der Widerstand im Körper sitzt. Oft ist er kein Gedanke, sondern eine Enge: im Kiefer, im Bauch, in den Schultern. Wenn du ihn findest, leg die Hände nicht dorthin, sondern lass ihn einfach da sein. Bekämpfen macht ihn größer. Und morgen fängst du wieder mit drei Minuten an, nicht mit zehn. Der Widerstand verschwindet nicht durch Vorsätze, sondern dadurch, dass die Übung ihre Bedrohlichkeit verliert.
Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Schüler schob die Praxis tagelang auf. Drei Minuten mit einer Hand auf dem Bauch öffneten die Tür. Danach wollte er nicht mehr fliehen.
Drei Minuten waren genug, weil sie zu klein waren, um Angst zu machen. Widerstand richtet sich fast nie gegen die Übung selbst, sondern gegen ihre vermutete Größe. Verkleinere deshalb, statt dich zu überreden. Und achte auf den Satz danach: Er wollte nicht mehr fliehen. Das ist nicht dasselbe wie Begeisterung — es ist der Zustand, in dem eine Praxis anfängt zu tragen.
Bleib nach den drei Minuten sitzen, statt sofort aufzustehen — auch wenn der Widerstand jetzt sagt, es sei ja ohnehin vorbei. Beobachte, was er nach der Übung macht. Meist wird er leiser, ohne verschwunden zu sein. Wie ein Kind, das an der Schwelle stehen bleibt, obwohl der Raum warm ist: Man zieht es nicht hinein, man lässt die Tür offen.
Notiere heute nur, ob du angefangen hast. Nicht wie es war, nicht wie lange. Angefangen: ja oder nein. Bei diesem Thema ist das die einzige Angabe, die zählt, und sie ist über Wochen erstaunlich aussagekräftig. Alles Weitere lenkt nur von der Stelle ab, an der es tatsächlich hakt.
Ob heute viel oder wenig ging, nimm eine Frage mit: Was wollte der Widerstand verhindern? Antworte nicht sofort. Widerstände erklären sich selten auf Nachfrage, sie zeigen sich, wenn man freundlich mit ihnen bleibt. Oft schützen sie etwas, das lange keine Aufmerksamkeit bekommen hat. Manchmal ist es auch nur die Sorge davor, was still werden könnte.
Wer sich überredet hat, hat nicht verloren. Er hat nur gemerkt, dass die Schwelle niedriger war als gedacht. Nimm deshalb mit, was heute zögernd hereinkam: wie ein Kind, das an der Schwelle stehen bleibt, obwohl der Raum warm ist. Man muss es nicht ziehen. Es kommt, wenn niemand drängt, und meistens früher als erwartet. Wer heute nicht angefangen hat, hat morgen dieselbe Schwelle, keine höhere.
Deine Antwort gehört in dein persönliches Reiki-Tagebuch. Es wächst mit jedem Tag mit und bleibt allein bei dir.
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