Gefühle wahrnehmen, halten und wieder in Bewegung kommen lassen
Peter Baumann spricht diesen Tag vollständig für dich ein — ruhig, in deinem Tempo, zum Mitgehen statt zum Mitlesen. Die Aufnahme öffnet sich, sobald du kostenlos angemeldet bist.
Nach den ersten körperlichen Reaktionen rückt in der Reinigungsphase oft die Gefühlswelt stärker in den Vordergrund. Ein treffender Gedanke hilft hier: Emotion kommt von e-movere, etwas will sich herausbewegen. Gefühle sind nicht bloß störende Zustände, sondern Bewegungen von Energie. Wenn sie lange unterdrückt wurden, binden sie Kraft und verengen den inneren Raum.
Reiki bringt solche gebundenen Gefühle nicht hervor, um dich zu quälen, sondern damit sie wieder fließen können. Gerade deshalb ist diese Phase für manche zart und herausfordernd zugleich. Es kann sein, dass Trauer ohne klaren Anlass auftaucht, Wut plötzlich näher ist, alte Erinnerungen wiederkehren oder auch unerwartete Freude und Weite spürbar werden.
Hier zählt die goldene Mitte: nicht ins Gefühl hinein dramatisieren und es ebenso wenig verdrängen. Genau das ist reife emotionale Arbeit. Ein Gefühl will nicht immer analysiert werden. Oft will es zuerst gehalten werden. Wenn du sofort erklärst, ablenkst oder dich schämst, bleibt die Bewegung unterbrochen.
Deshalb ist die einfache Übung, die Hände dorthin zu legen, wo das Gefühl im Körper sitzt, so sinnvoll. Trauer sitzt oft in der Brust, Angst im Solarplexus oder Hals, Wut im Bauch. Wenn du dort die Hände auflegst und still atmest, veränderst du das Verhältnis zum Gefühl. Es ist nicht mehr etwas, das dich überrollt, sondern etwas, dem du begegnen kannst.
Emotionale Reinigung kann verschiedene Erscheinungsformen haben: plötzliche Tränen, auftauchende Kindheitsszenen, kurze Wutwellen, Momente großer Dankbarkeit oder auch zunächst erstaunlich wenig Gefühl. All das kann Teil einer solchen Phase sein. Nichts davon muss bei jedem Menschen auftreten. Aber es ist hilfreich zu wissen, dass emotionale Reinigung nicht immer „schön“ und auch nicht immer „dramatisch“ aussieht. Manchmal ist sie leise. Manchmal deutlich.
Neben Reiki selbst können mehrere Wege helfen: weinen dürfen, roh und ehrlich schreiben, den Körper bewegen, tönen oder summen. Das ist stimmig. Gefühle sitzen nicht nur als Gedanke im Kopf. Sie wirken im ganzen Organismus. Darum hilft oft gerade das, was wieder Bewegung hineinbringt: Atem, Stimme, Hände, Schritt, Träne.
Hier kann das Symbol Sei Heki sinnvoll erwähnt werden, sobald es dir in der Ausbildung zugänglich ist. In der Reiki-Tradition wird es mit dem Lösen von Zuständen und besonders mit psychisch-emotionalen Mustern verbunden. Gerade in Phasen emotionaler Reinigung passt diese Qualität: nicht um Gefühle zu unterdrücken, sondern um gebundene Zustände sanft in Bewegung zu bringen. Doch auch hier gilt: Das Symbol ersetzt nicht die Bereitschaft zu fühlen. Es unterstützt sie.
Viele Menschen halten Fühlen für Schwäche, solange das Gefühl unangenehm ist. Im Reiki zeigt sich eher das Gegenteil. Es braucht Kraft, sitzen zu bleiben, die Hände aufzulegen und zu sagen: Ich sehe dich. Du darfst da sein. Dieser Satz kann mehr innerer Ausgleich in Gang setzen als viele kluge Erklärungen.
Ein alter Reikimeister würde vermutlich nicht sagen: Arbeite an deinen Emotionen. Er würde eher sagen: Lauf nicht weg. Halte still. Lass Reiki fließen. Dann wird manches, das jahrelang hart war, nach und nach wieder beweglich.
Deine Antwort gehört in dein persönliches Reiki-Tagebuch. Es wächst mit jedem Tag mit und bleibt allein bei dir.
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