Du kannst nicht geben, was du dir selbst verweigerst
Peter Baumann spricht diesen Tag vollständig für dich ein — ruhig, in deinem Tempo, zum Mitgehen statt zum Mitlesen. Die Aufnahme öffnet sich, sobald du kostenlos angemeldet bist.
Selbstliebe wird oft missverstanden. Manche hören darin bloß Wohlfühlrede, andere verwechseln sie mit Egoismus. Im Reiki hat das Wort einen viel nüchterneren Sinn. Wenn dein innerer Umgang mit dir selbst hart, abwertend oder beschämend ist, dann wirkt sich das auf deinen ganzen Zustand aus: auf den Atem, auf den Körper, auf dein Nervensystem und damit auch auf deinen Energiefluss.
Reiki fließt durch dich, nicht aus einer heldenhaften Anstrengung heraus. Aber damit dieser Fluss frei und ruhig sein kann, braucht es in dir einen gewissen Grad an Zustimmung zum eigenen Leben. Wer sich ständig verurteilt, verengt den Kanal. Wer sich nur über Leistung, Fehlervermeidung oder äußere Anerkennung definiert, arbeitet innerlich oft gegen sich selbst.
Der Grundsatz ist sehr klar: Du kannst nicht geben, was du dir selbst verweigerst. Das ist im Reiki mehr als ein schöner Satz. Wer anderen Ruhe, Wärme und wohltuende Berührung geben will, muss lernen, diese Qualitäten auch sich selbst nicht abzusprechen. Deshalb kommt in vielen Reiki-Schulen die Selbst-Reiki zuerst. Nicht als Vorstufe, die man bald hinter sich lässt, sondern als tägliche Grundlage.
Ein erschöpfter Mensch kann sehr wohl freundlich und bemüht sein. Aber wenn er sich ständig übergeht, wird seine Hilfe irgendwann dünn. Ein alter Reikimeister würde darum eher die regelmäßige Selbst-Reiki loben als jedes große Reden über Mitgefühl. Denn darin zeigt sich, ob der Weg wirklich gelebt wird.
Viele Menschen tragen eine innere Stimme in sich, die unbarmherzig vergleicht und abwertet. „Du bist nicht gut genug.“ „Du kannst das nicht.“ „Wer bist du, dass du freundlich mit dir umgehen darfst?“ Solche Sätze fühlen sich oft persönlich an, sind aber meist alte Muster. Sie stammen aus Erfahrungen, Erziehung, Schule, Scham, Angst oder Anpassungsdruck. Reiki arbeitet nicht dadurch gegen sie, dass du sie wegprügelst. Es lädt dich ein, sie zu erkennen und ihnen nicht mehr blind zu glauben.
Das ist ein feiner Unterschied. Innere Balance beginnt nicht immer mit Kampf, sondern oft mit ehrlicher Anerkennung. Wenn du merkst, dass der innere Kritiker spricht, kannst du innerlich sagen: Ich höre, dass da Angst ist. Aber ich muss mich dir nicht unterwerfen. Diese Haltung ist freundlich und klar zugleich.
Ein zentraler Aspekt dieses Themas ist der Umgang mit dem eigenen Körper. Viele leben, als müsse der Körper funktionieren, gehorchen oder endlich anders werden. Doch im Reiki ist der Körper nicht Feind und nicht Lasttier. Er ist der Ort, an dem Energie erfahren wird. Er trägt dich, meldet dir frühzeitig Überlastung und reagiert fein auf Berührung, Atem und Ruhe.
Wenn du deinen Körper ständig nur beurteilst, wird es schwer, ihn wirklich zu hören. Selbstliebe heißt hier nicht, jeden Tag begeistert vor dem Spiegel zu stehen. Sie kann viel schlichter beginnen: den Körper nicht beschimpfen, ihm Ruhe zugestehen, ihn sorgfältig begleiten und seine Signale ernst nehmen. Auch das ist bereits innere Balance.
Der fünfte Gokai lautet sinngemäß: Sei freundlich zu allen Wesen. Dazu gehörst auch du. Dieser Punkt wird leicht übersehen. Manche sind freundlich zu Fremden, geduldig mit Kolleginnen und Kollegen, hilfsbereit in der Familie, und im eigenen Inneren herrscht ein Ton, den sie keinem anderen Menschen zumuten würden. Im Reiki stimmt das nicht zusammen.
Selbstliebe ist deshalb keine sentimentale Zugabe, sondern eine Form innerer Wahrheit. Wenn du lernen willst, Reiki klar und ruhig durch dich fließen zu lassen, dann gehört dazu auch, dass du dich nicht dauernd von innen her angreifst. Erst dann wird dein Kanal wirklich weicher.
Selbstliebe ist im Reiki kein Schmuckwort. Sie ist die Bereitschaft, dich selbst nicht aus dem Kreis deiner Güte auszuschließen.
Innerer Grundton dieses Tages
Deine Antwort gehört in dein persönliches Reiki-Tagebuch. Es wächst mit jedem Tag mit und bleibt allein bei dir.
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